Spektrum Iran

Spektrum Iran

Spektrum Iran, 32.Jahrgang, nr 1 ,2019

مقالات

۱.

Mit den Augen des Herzens sehen Über die Symbolik der mystisch-metaphysischen Schau im Islam

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Die Symbolik des Herzens ist in allen großen Religionen und Überlieferungen der Menschheit von höchster Bedeutung, denn sie verweist auf Wahrheiten, die alles begriffliche Denken weit übersteigen. Allein der Geist kann diese Wahrheiten in einer mystisch-metaphysischen Schau erfassen. Im Islam bildet die Herzsymbolik gleichsam den Kern der islamischen Religion, der als islamische Mystik (taṣawwuf oder al-´irfān) bezeichnet werden kann, wenn er sich auf das Mysterium der höchsten göttlichen Wirklichkeit bezieht . Der äußere Rahmen, der diese Mitte umgibt, ist das Gesetz oder die Scharia, das heißt übersetzt: die breite Straße. Wer auf der breiten Straße zu Gott wandert, der hält sich an das Gesetz und erfüllt es. Wer aber darüber hinaus von Gott berufen wird, die höchste Wirklichkeit zu lieben und zu erkennen, der hält das Gesetz, überschreitet es aber gleichsam nach innen. Dieser Weg nach innen ist der enge schmale Pfad oder der mystische Weg (ṭarīqa) der Gottesliebe und Gotteserkenntnis. Dieser Weg nach innen ist der Weg in die Mitte des Menschen, in sein Herz. In diesem Zusammenhang muss grundsätzlich darauf hingewiesen werden, dass sowohl die breite Straße als auch der schmale Pfad zu Gott in der im Koran gegebenen göttlichen Offenbarung und ihrer vielfältigen Symbolik begründet sind. Im Koran wird das Wort Herz in seinen verschiedenen Bedeutungen 132 Mal erwähnt . Es bildet in seiner innersten Mitte den eigentlichen „Ort“ der höchsten Gottesliebe und Gotteserkenntnis. Mit der Symbolik des Herzens ist auch die Symbolik des Auges auf das Engste verbunden. In der islamischen Mystik wird zwischen äußerem und innerem Auge unterschieden. Das äußere Auge bezieht sich auf die Sinne und äußere Erscheinungen. Das innere Auge stammt aus der geistigen Welt oder dem Himmelreich. Den Unterschied zwischen äußerer Erscheinungswelt und Himmelreich erklärt der persische Theologe und Mystiker al-Ghazālī (1058-1111) auf folgende Weise: „Wisse, dass die Erscheinungswelt sich zu dem Himmelreich verhält wie die Schale zum Kern, die Form oder das Modell zum Geist, die Dunkelheit zum Licht und die Niedrigkeit zu der Erhabenheit. Deshalb wird das Himmelreich die höhere, die Geistes- oder die Lichtwelt genannt. Ihr steht die niedrige, die materielle und dunkle (Welt) gegenüber. Glaube jedoch nicht, dass wir mit der höheren Welt den Himmel meinen. Denn er steht hoch und oben im Verhältnis zur Erscheinungs- und Sinnenwelt und kann selbst vom Vieh erfahren werden. Dem Menschen aber bleibt die Tür zum Himmelreich verschlossen, und er wird nicht himmlisch sein, es sei denn, ‚dass für ihn die Erde als diese und der Himmel als dieser verwandelt wird‘ . So dass alles, was in den Bereich seiner Sinne und seiner Imagination fällt, einschließlich des (sichtbaren) Himmels, seine Erde sein wird, und alles, was über die Sinne hinausgeht, sein Himmel. Das ist der erste Aufstieg für denjenigen, der seine Reise [d. h. den mystischen Weg] begann, um sich der göttlichen Anwesenheit zu nähern. Denn der Mensch ist auf die tiefste der Tiefen zurückgewiesen, von da aus steigt er auf zu der höchsten Welt… Wenn der Aufstieg der Propheten die höchste Stufe erreicht und sie von dort aus in die Tiefe schauen und von oben nach unten blicken, so sehen sie in die Herzen der Menschen und erlangen einige Kenntnisse über das Verborgene. Denn wer sich im Himmel befindet, der ist auch bei Gott: ‚Er allein besitzt die Schlüssel zu dem Verborgenen‘ , d. h. von ihm werden die Gründe der Seienden in die Welt hinab gesandt; die Welt der Erscheinung ist eine der Wirkungen jener Welt, deren Verhältnis zu ihr wie das Verhältnis des Schattens zur Person, der Frucht zum Fruchtbringenden und der Wirkung zur Ursache ist“ . Die tiefe symbolische Bedeutung des Herzens und des inneren Auges erschließt sich in ihrem ganzen Reichtum, wenn die islamischen Mystiker den geistigen Weg beschreiben. Diese Beschreibungen enthalten Einblicke und Erkenntnisse, die beim Beschreiten des geistigen Weges gewonnen wurden. Sie bilden die mystisch-metaphysische Lehre, die mit der Methode, das heißt mit dem Weg der Verwirklichung der Lehre, eine unlösbare Einheit bildet. Aus der Fülle der islamischen Mystik und Metaphysik, wird im Folgenden zunächst anhand der Lehre des persischen Mystikers und Gelehrten Abū ´Abdallāh Muḥammad ibn ´Alī al-Ḥakīm al-Tirmiḏi (820/830-905/930) eine Übersicht über die verschiedenen Anblicke des Herzens und ihre Verbindung mit der koranischen Seelenlehre als eine kurze Einführung in die mystische Herzenssymbolik gegeben. Anschließend wird versucht, einige Grundzüge der mystisch-metaphysischen Gotteslehre oder Gottesschau des größten in Andalusien geborenen islamischen Meisters Ibn ´Arabī (1165-1240) aufzuzeigen.
۲.

Der Transfer von Wissenschaft und Technologie von Österreich nach Iran

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Politische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zwischen den beiden Ländern Iran und Österreich lassen sich bis ins 16. Jahrhundert, also dem Beginn der safawidischen (Ṣafawīyya) Dynastie im Iran und den Zeiten der Habsburgermonarchie in Österreich zurückdatieren. Der erste iranische Botschafter in Österreich nahm seine Arbeit dort im Jahr 1523 auf und dementsprechend kam ein österreichischer Botschafter im Jahr 1529 nach Iran. Das erste historische Dokument zur Beziehung der beiden Staaten, das aus dem Jahr 1552 stammt und sich auf (Šāh Ṭahmāseb) I. bezieht, stellt die älteste diplomatische Kommunikation zwischen einem safawidischen König und österreichischen Autoritäten dar. In der Iranischen Nationalbibliothek gibt es ein Manuskript unter dem Titel „Beschreibung des Sohnes eines der Sultane Irans (im Dienst des österreichischen Militärs)“, das Informationen über die Präsenz eines anonymen Sohnes von (Nādir Šāh Afšār) enthält. Dieser Text wurde von Leopold Died Münster im 16. Jahrhundert veröffentlicht, im Jahr 1946 von Dr. Mehdi Biani für die Iranische Nationalbibliothek erstanden und ist nun im Bereich für handschriftliche und seltene Texte der Nationalbibliothek unter der Nummer 814780 registriert und kann mittels der Nummer 5-12555 eingesehen werden.
۳.

Vom Westen geschlagen? Zur heutigen Rezeption von ʿAli Šarīʿatī und Āl-e Aḥmad in Iran

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Im Jahre 1962 erschien in Iran das Büchlein, das viele der später von Edward Said (1935-2003) in dessen Orientalism formulierten Gedanken vorwegzunehmen scheint: Ǧalāl-e Āl-e Aḥmads Ġarbzadegī. Während Saids Orientalism nach seinem Erscheinen 1978 heftige Debatten auslöste, weil es „dem Westen“ vorwarf, den Orient zu konstruieren und als statisch zu betrachten und eine Kausalbeziehung herstellte zwischen westlicher Identitätsfindung, Darstellung des anderen und Macht, hatte Ᾱl-e Aḥmad (1923-1969) mit Ġarbzadegī das für Iran wichtigste und identitätsbildendste west-kritische Buch der sechziger Jahre geschrieben, das zum rhetorischen Warenbestand aller Intellektuellen jener Jahre zählte. In ähnlicher Weise wie Said machte Ᾱl-e Aḥmad „dem Westen“ zwar den Vorwurf, den Orient zu konstruieren, betrieb jedoch auch seinerseits eine Essentialisierung „des Westens“.
۴.

Die Einschätzung der Beweggründe der aggressiven außenpolitischen Haltung von Saudi Arabien gegen die Islamische Republik Iran (zwischen 2001 bis 2017)

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Von dem Jahr 1928, das heißt von der Zeit der Anerkennung der Regierung von Ḥiǧāz durch Rezā Schah bis zu dem Jahr 1979, konnten die Meinungsverschiedenheiten über politische Themen, Identitätsfragen und Ölpreis zwischen dem Iran und Saudi Arabien zu keinen Spannungen und Feindseligkeiten in den Beziehungen zweier Länder führen. In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts haben gemeinsame Ziele wie der Kampf gegen Ausbreitung des Kommunismus und die Linksradikalen, den Arabischen Nationalismus (Nasser und Baths) sowie die Aufrechthaltung der Sicherheit und Ordnung am Persischen Golf und Nahen Osten dazu geführt, dass die Instandsetzung der Ausbesserung der politischen bzw. sicherheitspolitischen Kooperation zwischen dem Iran und Saudi Arabien als zwei regionale Mächte und Verbündete der Vereinigten Staaten in die Wege geleitet wurde. Beide Länder haben für sich in dieser Zeit ein islamisch gemäßigtes Verhalten im radikal panarabistischen Diskurs gewählt. So haben sie mit der gemeinsamen Zusammenarbeit allmählich den ägyptischen und irakischen Radikalismus in der Folge der arabisch- nationalistischen Ziele ausgeglichen. (Ahmadi 2007, 241-247)
۵.

Das Autobiografische im Werk von Franz Kafka

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Es gibt wohl keinen Leser, der die Texte Franz Kafkas liest und sich nicht fragt, was der Autor eigentlich damit sagen möchte, der also keinen anderen Sinn hinter diesen Texten sucht, als ihren augenscheinlichen. Die hoffnungslosen Labyrinthe, in denen sich die Helden verirren; die bis zur vollkommenen Absurdität grotesken Charaktere und Verhaltensweisen der Gegenspieler dieser Helden; die bei Kafka typische, vom Leser nicht für möglich gehaltene und diesen immer wieder überraschende Verschärfung äußerst extremer Lagen und Umstände; die mehr als verwundernden und kaum nachvollziehbaren Beziehungen zwischen verschiedenen Figuren; die unerwarteten Zeiten und noch mehr die unerwarteten Orte der Geschehnisse; die Atmosphäre und vieles mehr in den Geschichten Kafkas zeigen dem Leser deutlich, dass diese Geschichten schon von ihrer Logik her nicht irgendeine mögliche Wirklichkeit „wirklichkeitsgetreu“ wiedergeben. Zu dieser Schlussfolgerung gelangt man schon bei der Betrachtung solcher Texte Kafkas, die immerhin nicht auf reinen Fiktionen basieren; von Fällen wie beispielsweise Die Verwandlung, wo sich ein Mensch in so etwas wie einen Käfer, in einen „ungeheueren Ungeziefer“ verwandelt, ganz zu schweigen.
۶.

Soziale und kulturelle Fremdheitskonstruktionen in Russlandreisebericht Dalīl as-sufarāʾ

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Wenn wir Fremdheit als Definition einer Beziehung wahrnehmen, lässt sich behaupten, dass am Anfang des 19. Jahrhunderts Iran und Russland miteinander in eine Fremdheitsbeziehung verwickelt waren. Die Wende, die durch die beträchtlichen Niederlagen in den kriegerischen Auseinandersetzungen mit Russland eintrat, eröffnete strukturell die Chance, dass sich eine Fremdheitsbeziehung zwischen beiden Länder entwickelt . Während zuvor in der Safawidenzeit die Beziehung des Iran zu Russland mehr oder minder durch eine ausbalancierte Indifferenz bestimmt war, entstand erst Anfang des 19. Jahrhunderts auf Grundlage der militärischen Niederlage ein Gespür für die Notwendigkeit, mit diesem, in gewisser Weise unterschiedliches und fremdes Land, in Beziehung zu treten, bzw. sich an das „Andere“ zu wenden und damit die Beziehung zum „Anderen“ zu definieren. Es galt eine neue Perspektive anzueignen, deren Axiom sich etwa folgendermaßen beschrieben ließe: „Die anderen sind nicht wie wir, dennoch ist es für uns unentbehrlich, sie aus der Nähe zur Kenntnis zu nehmen“.